Altersgerechte Arbeitsplätze – meist Mangelware

Da unsere Gesellschaft nachweislich älter wird, wären Unternehmer gut beraten, die Fähigkeiten und Bedürfnisse älterer Arbeitnehmer zu berücksichtigen. Kluge Arbeitgeber ziehen aus dieser Situation sogar Vorteile.

Alter ist schlecht, Jugend ist gut. So könnte man die derzeitige Einstellung der Arbeitgeber gegenüber den Arbeitnehmern auf den Punkt bringen. Vornehmlich die Leistungsfähigkeit und die Flexibilität hinsichtlich neuer Situationen wird älteren Arbeitnehmern heute gerne a priori aberkannt. Die Konsequenz: Von Mobbing, über Kündigungen (im Idealfall ein Golden Handshake) bis hin zu Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht akzeptieren Arbeitgeber viel, um den Altersschnitt in ihrem Unternehmen senken zu können.
Dabei belegen bereits zahlreiche Untersuchungen, dass sich die Situation ganz anders präsentiert. Ältere Arbeitnehmer verlieren ihre Leistungsfähigkeit nicht, sondern die Art der Leistung verändert sich. So ist zwar unbestritten, dass typische jugendliche Faktoren wie Kraft oder Reaktionsfähigkeit abnehmen; dafür entwickeln sich Fähigkeiten wie soziale Kompetenz, Verantwortungsgefühl, vorausschauendes Planen oder ein höheres Qualitätsbewusstsein – auch zu subsumieren unter „ein Plus an Erfahrung”. Will der Arbeitgeber von diesen Vorteilen profitieren, bedarf es einiger Voraussetzungen, für die er Sorge tragen muss.

Weiterbildung

Während in der einschlägigen Fachwelt der Begriff vom „Lebenslangen Lernen” geprägt wurde – und die gesamt Weiterbildungs-„Industrie” in genau diese Kerbe schlägt – zeigt sich im Rahmen von Erhebungen, dass gerade älteren Beschäftigten der Zugang zu betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen alles andere als leicht gemacht wird: „Zahlt sich nicht mehr aus”, scheint hier die Einstellung der Arbeitgeber zu sein.
Allerdings hat auch diese Medaille eine Kehrseite: Viele ältere Arbeitnehmer sind der Meinung, sich nicht mehr weiterbilden zu müssen. Ebenso falsch! Weiterbildungsmaßnahmen erhöhen nicht nur die Aufstiegschancen, sondern helfen auch, einen Job möglichst lange zu erhalten bzw. ihn gut erledigen zu können.
Hier sind also beide Seiten gefragt, um die Arbeitssituation für ältere Arbeitnehmer zu optimieren. Wobei unbedingt darauf Rücksicht genommen werden muss, dass nicht wahllos Kurse gebucht werden. Jung und Alt gemischt funktioniert selten – der vergleichsweise rasche Lernfortschritt der Jüngeren nimmt diesen die Motivation, konsequent weiterzuarbeiten, ältere Kursteilnehmer wiederum haben mit der Angst vor beruflichem Versagen zu kämpfen, wenn sie sehen, „wie leicht” sich die Jüngeren tun.

Altersbezogener Führungsstil

Man muss nicht unbedingt Wissenschaftler sein um zu verstehen, dass man mit älteren Mitarbeitern anders umgehen sollte als mit dem Nachwuchs. Dem Vorgesetzten kommt also hinsichtlich seines Führungsstils große Verantwortung zu – nimmt er diese wahr und adaptiert sein Führungsverhalten, dann kann er von den zahlreichen Vorteilen, die ihm ältere Arbeitnehmer bieten profitieren; was letztlich auch ihm selbst zugutekommt. Genau betrachtet, sind es nur wenige Punkte, die zu beachten sind: positive Einstellung gegenüber dem Alter, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit sowie der Wille, auch einmal über den eigenen Schatten zu springen und der Individualität bei der Arbeitsplanung den Vorzug gegenüber der gewohnten Organisationsstruktur zu geben.

Kritisch für Ältere

Während jüngere Arbeitnehmer gar nichts dagegen haben, wenn am Arbeitsplatz „ordentlich die Post abgeht”, haben ältere Mitarbeiter ganz andere Bedürfnisse, um ihre volle Leistung erbringen zu können. Körperliche Anstrengung und alles, was orthopädisch fragwürdig ist, sollte vermieden werden (Tragen schwerer Lasten, permanentes Einnehmen anstrengender oder unnatürlicher Haltungen, einseitige Tätigkeiten); ebenso Belastungen, die durch das Arbeitsumfeld entstehen, vor allem Lärm und Hitze, aber auch schlechte Beleuchtung sind hier zu nennen. Hinsichtlich der Arbeitsorganisation setzen taktgebundene Arbeiten oder Zeitdruck, Stress, Schichtarbeit und Dauerkonzentration den älteren Arbeitnehmern am meisten zu.

Mach’ mal Pause!
Das klingt so logisch und einfach – allerdings wird in unserer modernen Arbeitswelt (immer mehr Gewinn mit immer weniger Mitarbeitern) genau das zusehend schwieriger. Worunter manche Junge schon leiden, trifft ältere Arbeitnehmer umso mehr: Um die gestiegenen Anforderungen erfüllen zu können, wären mehr Pausen notwendig. Nicht länger, sondern mehr. Selbst kürzeste Arbeitsunterbrechungen von ein paar Minuten geben Zeit zum Luftholen und zur psychischen oder körperlichen Entspannung. Dabei sollten Pausen nicht erst dann abgehalten werden, wenn sie für den Arbeitsprozess am wenigsten störend sind, sondern möglichst anschließend an eine belastende Arbeitssituation stattfinden.

Redaktion: BERNHARD LICHTL