Kanada – das Land der Überraschungen

Die Reise in das zweitgrößte Land der Erde lockt mit außergewöhnlichen Erlebnissen 

Wer den nächsten Abenteuerurlaub plant, aber schon fast alles gesehen hat, der könnte in Kanada durchaus auf seine Rechnung kommen. Erreichbar ist die abenteuerliche Welt der Grizzly-Bären, Lachse und Schwarzfußindianer übrigens mit April 2019 im Direktflug von Wien nach Toronto oder Montreal mit der heimischen Fluglinie AUA. Im zweitgrößten Land der Erde gibt es jede Menge Überraschungen zu entdecken. Ob im beliebten Campingbus, im Kreise einer Reisegruppe oder im Mietwagen und der Bahn; die Überraschungen liegen einem praktisch zu Füßen. Kanada liegt auf dem nordamerikanischen Kontinent, ist im Süden von den USA begrenzt und reicht im Norden bis über den Polarkreis hinaus. In Kanada wohnen 36,7 Millionen Menschen auf 9.984.670 km². Umgerechnet sind das nur 3,6 Einwohner pro km². Zu den größten Ballungsgebieten gehören neben Toronto, die französischsprachigen Städte Montreal und Quebec City, die Hauptstadt Ottawa und nicht zu vergessen, das mit Wien als lebenswerteste Stadt stets konkurrierende Vancouver an der Westküste. Kanada besitzt ausgedehnte und wunderschöne Wildnisregionen, wie etwa den für seine zahlreichen Seen bekannten Nationalpark Banff in den Rocky Mountains aber auch die unendlich scheinenden Landschaften der Prärie. Als optimale Reisezeit für Kanada bieten sich die Sommermonate Juni bis September an. Im Oktober sorgt der farbenprächtige Indian-Summer für eindrucksvolle Erlebnisse. In den nördlichen Gebieten Kanadas verkürzt sich die beste Reisezeit auf die Monate Juli und August, außer man ist winterfest zum Skifahren unterwegs; etwa gemeinsam mit den Weltcup-Teams in Lake Louise oder beim Helicopter-Skiing in Whistler/Blackcomb. 

Niagara-Fälle

Die Hauptsehenswürdigkeit Kanadas sind die bekannten Niagarafälle. Sie sind direkt an der Grenze zu den USA situiert. Auf der amerikanischen Seite liegen die „American Falls“ und auf der kanadischen Seite die höheren und imposanteren „Horseshoe Falls“. Die hufeisenförmigen Fälle haben eine Kantenlänge von 792 Metern und stürzen frei über 52 Meter in die Tiefe. Zum Vergleich: Pro Sekunde sind das 16.700 Badewannen voll Wasser. Den Tag verbringt man am besten in der Ortschaft Niagara Falls. Dort bietet sich den Besuchern eine prächtige Naturkulisse in Verbindung mit einer Reise hinter die Niagarafälle in gelben Regenmänteln. Auf zwei Plattformen direkt neben den Wasserfällen kann man einen grandiosen Ausblick auf das Naturschauspiel genießen.

Auch per Schiff kann man fast unter die Wasserfälle gelangen. Am Abend kann man den Anblick der bunt beleuchteten Wasserfälle hinter den Panoramascheiben der Hotel-Restaurants gebührend genießen. Das Farbenspiel wechselt im Minutentakt.

Wein aus Niagara  

Was nicht so bekannt ist: In der Provinz Ontario wird auf der Niagara-Halbinsel auch Wein angebaut. Über 6.000 Hektar Weingärten weisen die Statistiken aus, weil sich die Gebiete am Rande des Erie- und des Ontariosees für den Anbau besonders gut eignen. Die beiden großen Seen mildern die üblichen klimatischen Verhältnisse und lassen zu, dass exzellente Weine hergestellt werden können. Bei der Besichtigung des Weinbaubetriebes „Riverview Estate Winery“ in der Nähe des Niagara Flusses kann man sich von der Qualität überzeugen. Rund ein Drittel wird als Eiswein produziert. Kanada ist der größte Eisweinproduzent der Welt.

Besuch bei den Mennoniten 

Sie sind eine Glaubensgemeinschaft, welche auf jeglichen Komfort und Luxus verzichtet. Die Kinder werden bis zum 14. Lebensjahr in eigenen Schulen unterrichtet. Auf das Tragen von Schmuck oder Kleidung in bunten Farben wird verzichtet. Die Felder werden teilweise noch mit dem Pferd bestellt. Sollte es gelingen, einen der Mennonitenhöfe zu besuchen, wird die Landwirtschaft Europas vor 100 Jahren wiederentdeckt. Da sich die Täufer zur Gewaltfreiheit bekennen, müssen die Männer nicht zur Armee einrücken. Die Freikirchen steht außerhalb staatlicher Strukturen. Die Mennoniten zahlen Steuern, verlangen aber nichts vom Staat, wie etwa Pensionen oder Krankenversorgung. Mennoniten sind eine evangelische Freikirche, die auf die Täuferbewegungen der Reformationszeit zurückgeht. Anders als Luther und Zwingli kamen die Mennoniten jedoch zu der Erkenntnis, dass die Taufe ausschließlich dann praktiziert werden sollte, wenn die zu Taufenden sich bewusst für den Glauben entscheiden. Dies lehnten sowohl die katholische als auch die lutherischen und reformierten Kirchen ab und bald setzte eine umfassende Verfolgung der noch jungen Bewegung ein. Als Täufer sind die Mennoniten geschichtlich eng mit den Amischen und katholischen Hutterern verbunden. Verfolgungen und rechtliche Beschränkungen in Europa führten zwischen 1715 und 1815 zur Auswanderung von den Täufern nach Osteuropa – und auch nach Tirol – und später nach Nordamerika. Über Pennsylvania in den USA sind sie später nach Kanada eingewandert und hier sesshaft geworden. Heute gibt es noch rund 1800 Personen, die dieser Gemeinschaft angehören. Bei einer Rundfahrt durch das Gebiet im Raum Kitchener etwa, kann man die typische Wohnhäuser mit den grünen Dächern besichtigen.

Besuch bei den Hutterern 

Auch ein Besuch einer Hutterer- Kolonie führt in Kanada in die Vergangenheit: Die Hutterer sind im 18. Jahrhundert aus Tirol und Deutschland ausgewandert und sind eine katholische Kommunen mit je 100 Einwohnern. In Kanada leben rund 300 solcher Hutterer- Kolonien. Die Gemeinschaften sind Selbstversorger und bewirtschaften Betriebe mit bis zu 5000 ha, 1000 Rindern, 100 Milchkühen, 400 Schweinen, 30.000 Legehennen. Ausgestattet sind die Betriebe mit den modernsten Maschinen und Geräten. Gegensätzlich zur modernen Technik ist die Lebensweise der religiösen Hutterer. Die Mitglieder der Kolonie arbeiten alle für die Gemeinschaft und haben keinen Privatbesitz. Kleidung und Schuhe werden selbst genäht, Wohnungen und Möbel selbst gebaut. Die Frauen tragen lange Röcke und Kopfbedeckung, die Männer schwarze Hosen mit Hosenträger, Kinder gibt es so viele, wie Gott ihnen schenkt. In jeder Kolonie gibt es eine Schule, in der aber in der ersten Stunde nur Deutsch in Wort und Schrift gelernt wird. Die Sechsjährigen schreiben gestochen scharf in Kurrentschrift. Und die Frage nach eine „Washroom“ wird vom Lehrer im Tiroler Dialekt beantwortet. „Wüllscht aufs Häusl?“ 

Zurück in die City

Die Rückkehr in die Millionenstadt Toronto mit 2,5 Millionen Einwohner kommt einem wie eine Zeitreise vor. Hier herrscht geschäftiges Treiben. Rund die Hälfte der in Toronto lebenden Menschen sind keine gebürtigen Kanadier. Die Einwanderer kommen aus allen Ecken der Erde und leben hier zu Teil auch – dank der Toleranz der Kanadier – ihre Kulturen weiter. Tolerant ist man in Kanada auch beim Drogenkonsum. Cannabis wurde erst kürzlich gänzlich freigegeben. Nicht zuletzt, weil Kanada der größte Produzent von Marihuana und Haschisch ist. Ein touristischer Pflichtbesuch in Toronto ist dem CN-Tower gewidmet. Auf der 447 Meter hoch gelegenen Plattform kann man einen großartigen Blick über die Stadt genießen. Eintrittskarte kostet 38 Kanadische Dollar, also etwa 25 Euro. Bis zur Spitze misst der Tower 553 Meter und war von 1975 bis 2009 der höchste Fernsehturm der Welt, heute ist der CN-Tower nur noch der dritthöchste Turm. Spektakulär: Die Aussichtsplattform hat einen gläsernen Fußboden mit freiem Blick in die Tiefe in das berühmte Baseball-Stadion „Rogers Centre“. Auch dieses ist, genauso wie das „Riplay‘s Aquarium of Canada“ einen längeren Besuch wert. Eine Stadtrundfahrt im Hop-On Hop-Off Bus ist ebenso empfehlenswert.

Cowboys aus den Joglland

Je nach Muße kann man dann eine Rinderfarm oder einen der zahlreichen Auswanderer aus Österreich besuchen. Dazu geht es bei einem Inlandsflug erst einmal nach Calgary mit vier Stunden Flugzeit und zwei Stunden Zeitschiebung. In der Provinz Alberta leben rund 4 Millionen Einwohner, 1 Million davon in Calgary. Es gibt 5 Millionen Rinder, 50 Prozent davon sind sogenannte Angus-Rinder. Bei „Belvin Angus“ konzentrieren sich die Cowboys auf die Zucht von Angus-Rindern. Der Betrieb hält rund 350 Angus-Rinder und bewirtschaftet 1000 Hektar. Die Stiere werden mit 14–15 Monaten direkt im Betrieb versteigert. Gehalten und gefüttert werden die Tiere auf der Weide oder in sogenannten „Feedlots“ auf engsten Raum aber im Freien. Ein Highlight kann etwa auch ein Besuch bei einem österreichischen Auswanderers sein. Einer davon ist vor Jahren aus dem steirischen Joglland nach Kanada ausgewandert und bewirtschaftet heute einen Ackerbaubetrieb mit 3500 Hektar. 

Schwarzfußindianer

Einen Überraschungsbesuch wert ist auch der „Head Smashed – In Buffelo Jump“, 18 km nordwestlich vom traditionsreichen Fort Macleod. Der Büffelsprung ist der historische Jagdplatz der Schwarzfußindianer. Er ist UNESCO-Weltkulturerbe.

In einem Museum wird gezeigt, wie die Ureinwohner Kanadas trotz ihrer nur spärlichen Jagdausrüstung bis zu 300 Bisons in kürzester Zeit erlegen konnten: Sie ließen die schlecht sehenden Tiere auf der Flucht gegen die Sonne über einen Felsen in den Tod springen. Früher gab es in dieser Region rund 8 Millionen Büffel, heute leben dort nur noch 800.000. Der Legende nach hat der Büffelsprung den Namen bekommen, weil sich ein Indianerbub zu nahe an die Klippe gewagt hatte und ein herabstürzender Büffel ihm den Kopf zertrümmert hat.

Die Rocky Mountains

Weiter geht die Reise führte durch den eindrucksvollen Nationalpark in den Rocky Mountains nach Banff. Die Bergkette erstreckt sich über 4800 Kilometer von Kanada in die USA. Die höchste Erhebung auf kanadischer Seite misst rund 4000 Meter. Die Fahrt geht zum wohl bekanntesten Bergsee, dem Lake Louise, mit dem berühmten Fairmont Chateau am Ufer. Es ist wie das Banff-Springs Hotel, das einem schottischen Schloss nachempfunden ist, von der Eisenbahngesellschaft „Canadian Pacific“ erbaut worden. Auch Bären können hier zum Besichtigungsprogramm gehören: Oft können sie auch unmittelbar neben der Hauptstraße auf den Böschungen beobachtet werden. Weiter geht es nach Cranbrook und Kelowna in das schier endlose Okanagan Valley, einem Fruchtgürtel mit Wein- und Obstbau. Okanagan Lake ist ein langer, schmaler Binnensee in der kanadischen Provinz British Columbia. Der rund 135 km lange und 4–5 km breite See schlängelt sich im südlichen Teil von British Columbia durch das Okanagan-Tal bis zur Grenze des US-Bundesstaates Washington. 

Vancouver als Abschluss 

Der krönende Abschluss der Kanada-Entdeckungsreise führt nach Vancouver. Die Stadt ist mit rund 2,3 Millionen Einwohnern die drittgrößte in Kanada. Etwa ein Drittel davon sind Asiaten, welche im vorigen Jahrhundert als Arbeitskräfte eingewandert sind. Es gibt daher keine typische kanadische Kultur oder keinen typischen Kanadier. Das Land ist seit jeher ein Einwanderungsland und Heimat aller Kulturen. Vancouver ist aufgrund des milden Wetters eine sehr beliebte und zugleich teure Stadt. Eine Stadtrundfahrt führte durch den mit über 400 Hektar größten Stadtpark Kanadas namens „Stanley Park“, in dem bis zu 750 Jahre alte Zedernbäume wachsen. Ein Ausflug mit dem Schiff nach Vancouver-Island darf nicht fehlen. Diese Insel ist die größte an der Westküste, auf der rund 700.000 Menschen leben. Dort kann der berühmte „Buchart Garden“, ein 20 Hektar große botanische Garten mit verschiedenen Motivgärten besucht werden. Der Prachtgarten ist in einem privaten ehemaligen Steinbruch entstanden und gilt als absolutes Touristen-Highlight. Den Rest des Tages kann man dann in Victoria, der Hauptstadt der Provinz British Columbia, auf Vancouver Island verbringen, bevor der Rückflug nach Europa angetreten werden kann.

Text und Fotos: Gerhard Krause