Vietnam für Genießer

Die fürchterlichen Kriege, die in Vietnam Jahrzehntelang getobt haben, sind – sieht man von einigen Militärmuseen- und Vietkong-Pilgerstätten einmal ab – fast schon vergessen. Der langgestreckte Küstenstaat in Südostasien mit seinen rund 96 Millionen Einwohnern erlebt derzeit eine richtige Blütezeit. Er grenzt an China, Laos, Kambodscha, Thailand und erstreckt sich entlang des südchinesischen Meeres. Der tragende Teil der Wirtschaftskraft ist zurzeit der Tourismus, denn das Land und die Menschen haben hier besonders schöne Landschaften zu bieten. Hotels, Restaurants und Themenparks schießen förmlich aus dem Boden. Vietnam für Genießer eben.

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Hallo Taxi – Foto: Gerhard Krause

Halong – UNESCO-Welterbe

Und in der Provinz Quang Ninh ist mit dem Jahr 2019 sogar ein völlig neuer Flughafen entstanden, um den Touristenstrom nun noch näher an die zauberhaften, weißen Strände und das UNESCO-Welterbe der Halong-Bucht zu führen. Er liegt auch nur 220 Kilometer von der Hauptstadt Hanoi entfernt. Der Flughafen wurde von einem Privatunternehmen gebaut. Die „Sun Group“ ist einer der führenden Immobilien- und Projektentwickler des Landes. Der 7,5 Mrd. VND (310 Mio $) teure Flughafen ist der modernste in Vietnam. Am gleichen Tag präsentierte die Sun Group auch eine neue vierspurige, 60 km lange Autobahn vom Van Don Airport zur Stadt Halong und seiner prächtigen Bucht mit smaragdgrünem Wasser und die hoch aufragenden, vom Regenwald bedeckten Kalksteininseln. Fahrtdauer: 50 Minuten.

Ha Long Bucht entdecken

In der Folge geht man auf Entdeckungsreise zu den einzigartigen Kalkstein-Karstformationen der Ha Long Bay. Am besten lässt man sich dazu um 8 Uhr vom Hotel abholen, fährt von Hanoi im klimatisierten Bus durch das Delta des Roten Flusses und genießt die 3,5-stündige Tour zur Halong Bucht. Nach der Ankunft geht man an Bord eines Segelschiffs, um zwischen den 3.000 kleinen Felseninseln hindurch zu segeln und das Kalkgebirge zu bewundern. Auch ein Besuchen der Insel Fighting Cock und der Grotte des Himmlischen Palastes mit seinen Tropfstein-Stalagmiten und -Stalaktiten ist empfehlenswert. Experten empfehlen die Ha Long Bucht in den Monaten März bis April oder Oktober bis November zu besuchen, da es in dieser Zeit angenehm warm ist und weniger häufig regnet.

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Ha Long Bucht – Foto: Gerhard Krause

Hanoi

In Hanoi, dem Startpunkt dieser Route, kann man in 1 bis 3 Tagen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besuchen: Die Tram Quoc Pagode, den bezaubernden Literatur-Tempel, das Ethnologie-Museum und die sehenswerte Altstadt.

Schmelztiegel Saigon

Aber beginnen wir die Reise in der Hauptstadt Ho Chi Minh-Stadt, früher Saigon genannt. Die alte Bezeichnung Saigon hat sich aber sogar auf Zielschildern der Buslinien und in den Fahrplänen der Eisenbahn gehalten. Saigon – oder Ho Chi Minh-Stadt – ist ein lebendiger Hexenkessel voller junger Menschen. Und sie alle fahren mit über 5 Millionen Mopeds kreuz und quer durch die Straßen der Stadt. Als Tourist getraut man sich kaum die Straßenseite zu wechseln, so dicht ist der Strom von Fahrzeugen. Wie man es dennoch schafft: Die Hand erheben und versucht einfach durchzumarschieren. Die Mopedfahrer weichen meist überaus geschickt aus und es kommt ganz selten wirklich zu Unfällen.

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Moped-Hochburg – Foto: Gerhard Krause

Hat man sich an den chaotisch scheinenden Verkehr einmal gewöhnt, dann kann die Entdeckungsreise in eine fremde Welt beginnen. Friseure, die am Gehsteig ihre Salons aufgebaut haben, Garküchen mit Kindergarten-Sesseln als Straßenrestaurants. Dort isst man überraschend gut und tatsächlich auch gesund.

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Straßenrestaurant mit Kindergartensessel – Foto: Gerhard Krause

Wer höhere Ansprüche stellt, wird im „Poh 2000“ mit Poh-Bo Nudel-Suppe (mit Rindfleisch) oder Pho-Ga (Nudeln mit Hühnerfleisch) verwöhnt. Die Jahreszahl 2000 im Firmennamen weist darauf hin, dass hier damals auch der US-Präsident Bill Clinton gespeist hat. Den Austern-Salat und das gesunde Stir Fried Morning Glory (Wasserspinat) mit Reis oder Glasnudel sowie zartes Fleisch oder Pilze zelebriert man dann exklusiv im vornehmen „Nam Phan“ um 648.000 Dong (1 Dong = 0,000039 Euro), also um lächerliche 25,30 Euro.

Stadt der Museen

Gut gestärkt kann man dann in die Geschichte Vietnams eintauchen. Im Militärmuseum kann man zahlreiche erbeutete Flugzeuge, Panzer und Hubschrauber, welche die Amerikaner hier seinerzeit einfach zurückgelassen haben, bewundern. Man kann im Vietkong- Museum die Gänsehaut trainieren, angesichts der brutalen Kriegsführung mit heimtückischen Fallen und unterirdischen Lagern für die Kämpfer. Und man kann die Kulturschätze im historischen „Bao Tan Lich“-Museum bewundern.

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Hauptpost – Foto: Gerhard Krause

Auch die alten Gebäude aus der französischen Kolonialzeit sind einen Besuch wert: Die Oper, die Notre-Dame-Basilika, die ausschließlich aus von Frankreich importierten Materialien besteht, und das eindrucksvolle Hauptpostamt aus dem 19. Jahrhundert und natürlich der Ho Chi-Min-Palast, das Rathaus der Stadt.

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Ho Chi-Min-Palast – das Rathaus – Foto: Gerhard Krause

Märkte in Saigon

Vietnam ist bekannt für seine wuseligen, chaotischen Märkte. Dabei gilt etwa der Ben Than Markt in Saigon nur als eine Touristenversion. Man muss ständig damit rechnen, angequatscht zu werden, T-Shirt hier, Essen da und alles natürlich „best Price“. Achtung: In der Abteilung in der Fleisch und Fisch angeboten werden, braucht man einen stabilen Magen, wenn etwa Fröschen die Haut abgezogen wird, blutende Fischköpfe durch die Gegend getragen und Hirne zum Verkauf angeboten werden. Als Erholung kann man sich ja eine zweistündige köstliche Dinnerfahrt auf dem Saigon-River buchen. An Bord des romantischen Schiff gibt es asiatische Fusionsküche und Livemusik, wenn man an der beleuchteten Stadt entlang schwimmt. Mega romantisch!

Mekong-Bootstour

Die Tour führt in kleinen Ruderbooten durch den meterhohe Schilfgürtel durch die malerischen Kanäle des Mekong bis zu dessen Delta.

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Mekong-Bootstour – Foto: Gerhard Krause

In einer Barkasse geht es dann weiter auf eine der schönen Inseln mit hervorragenden Restaurants in denen man tropische Früchte, Folkloremusik, Honigtee und Kokosnuss-Bonbons genießen kann. Auch die Verkostung eines Elefantenohrfisches ist durchaus empfehlenswert. Die Osphronemidae sind die artenreichste Familie der Labyrinthfische. Insgesamt gibt es über 130 Arten. Alle Osphronemidae leben im Süßwasser von in langsam fließenden Flüssen und schmecken ausgezeichnet wenn man ihnen das Fischfleisch vom auf dem Tisch aufrecht platzierten Gräten löst. Zurück bleiben dann nur noch das Skelett und der gute Geschmack im Mund.

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Elefantenohrfisch – Foto: Gerhard Krause

Zurück nach Saigon

Einheimische und Touristen tummeln sich in den vielen kleinen Läden, Coffeeshops, Restaurants, Reisebüros und Massagesalons. Selbst nachts ist es dank der Musik in den Vergnügungsvierteln der Stadt kaum einmal ruhig. Vietnam hat ein Boom erfasst, dessen Dynamik in den großen Städten wie Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt überall zu spüren ist. Das kommunistische Land erlebt nach der Einstellung der Hilfszahlungen aus der Sowjetunion eine Öffnung zum Westen und damit verbunden ein Wirtschaftswachstum von jährlich über fünf Prozent.

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Modernes Saigon – Foto: Gerhard Krause

In der Not blieb dem kommunistischen Regime nichts anderes übrig, als Privateigentum und Privatunternehmen zuzulassen. Innerhalb kürzester Zeit konnte nicht nur die Hungersnot besiegt, sondern der zuvor knappe Reis sogar in die Nachbarländer exportiert werden. Eine weitere Leistung war es, die zögernden ausländischen Unternehmen von Investitionen zu überzeugen. Vietnam profitiert auch vom Nachbarn China, der lange die Werkbank der Welt war. Weil dort die Löhne steigen, verlagerten die großen Unternehmen ihre Produktion nach Vietnam. So etwa Südkoreas Elektro-Riese Samsung einen Großteil seiner Smartphones in Vietnam zusammenbauen. Vietnam ist mit einem Durchschnittsalter von 29 Jahren für die Unternehmen attraktiv. Die Vergangenheit unter der Kolonialmacht Frankreich hat das Land bis auf einige Überbleibsel in der Architektur jedenfalls abgeschüttelt.

Text: Gerhard Krause