Spurensuche in Brasilien

 

Man kann den Aufenthalt im fünftgrößten Land der Erde als Spurensuche in die Vergangenheit anlegen, dabei aber gleichzeitig den vielfältigen touristischen Leckerbissen der Gegenwart und der Moderne die Ehre erweisen. Brasilien bietet Überraschungen für jeden Geschmack: Zwischen dem Seelebaumeln an der Copacabana, dem Besuch am Zuckerhut und der Reise zu den Iguazú-Wasserfällen bleibt nämlich noch genügend Zeit, etwa einen Abstecher in die Dörfer von Ex-Österreichern zu unternehmen. Dass der Edelsteinverkäufer auf der Spitze des Zuckerhutes aus Graz stammt und im Souvenir-Shop „Amsterdam Sauer“ seine Berufung gefunden hat, kommt dann als weitere Überraschung hinzu. Davor war man vielleicht im Dorf 3 von Entre Rios beim Braumeister und hat ein köstliches „Donau Bier“ verkostet. Er war genauso wie seine Stammgäste aus Österreich gekommen. Sie alle sind ausgewanderte „Donauschwaben“.

Österreichische Wurzeln
Österreichische Wurzeln – Donau Bier

Österreichische Wurzeln

1822 wurde Brasilien von Portugal unabhängig und ein Kaiserreich. Leopoldine, Tochter des österreichischen Kaisers Franz I. wurde die Ehefrau des brasilianischen Kaisers Pedro I. Sie war es auch, die Tiroler Bauern ein besseres Leben in Südamerika offeriert und die Gründung eines Dorfes namens „Tirol in Brasilien“ unterstützt hat. Das Dorf liegt nahe Santa Leopoldina 70 km landeinwärts von der Hafenstadt Vitória am Atlantik. Die Anfahrt ist bis heute nicht einfach und dauert etwa zwei Stunden. Die Vorfahren der Bewohner stammen aus dem Stubai- und dem Oberinntal. Einige der Häuser sind im Tiroler Stil errichtet und liegen in einer gebirgigen Gegend auf rund 800 Meter Seehöhe. Rund 100 Einwohner pflegen bis heute Sprache und Tradition der alten Heimat. Auch „Treze Tílias“ (Dreizehnlinden) im Bundesstaat Santa Catarina ist eine Siedlung österreichischer Emigranten. Bis heute gilt ihre Einladung: „Besuchen Sie die Tiroler Gemeinden Brasiliens! Sie sind hier willkommen!“

In den 50er-Jahren wanderten die zu Ende des 2. Weltkrieges aus Ungarn und Jugoslawien nach Österreich vertriebenen Getreidebauern (Donauschwaben) nach Brasilien aus. Den bettelarmen aber fleißigen Asylanten wurde Land angeboten, um Brasilien von Getreideimporten unabhängig zu machen. Tausende Familien nahmen das Angebot an und haben sich mit Hilfe der „Schweizer Europahilfe“ in den „Campos“ von Rio Grande do Sul, Paraná und Entre Rios niedergelassen. Das Klima erlaubt hier zwei Ernten pro Jahr. Im Sommer wird Soja, Mais und Reis, im Winter Gerste, Weizen und Hafer angebaut. Und zwar in Direktsaat ohne die Felder zu pflügen, um eine gefürchtete Bodenerosion zu vermeiden.   

Entre Rios ist die jüngste und zugleich erfolgreichste Ansiedlung mit Deutsch sprechender Bevölkerung. Die Auswanderer kamen auf dem Hochseeschiff „Provence“ nach und nach in die neue Heimat und legten fünf Dörfer an. Sie wurden zwar nach alten Flurnamen wie Vitória für Sieg oder Cachoeira für Wasserfall benannt, für deutschsprachige Einwohner heißen sie aber immer noch „Dorf 1“ bis „Dorf 5“ nach der Reihenfolge des Eintreffens der Flüchtlingstransporte. Zu sehen ist die komplette Geschichte der Einwanderer übrigens im prächtigen „Heimatmuseum“, dem auch ein deutscher Regionalsender angeschlossen ist. Eine Spurensuche funktioniert aber auch persönlich: Der 400 Hektar-Bauer Toni Herz erzählt in perfektem Deutsch gerne die Geschichte seiner Eltern, wenn nach Feierabend im „Dorf 3“ im Saal der „Donau-Brauerei“ bei Knacker und Sauerkraut, Bratwurst oder Schweinsschnitzel deutsche Lieder  angestimmt werden. Ein Anflug von Heimweh ist durchaus erkennbar. Dass auch Liedtexte von Freddy Quinn oder Peter Alexander gesungen werden, zeigt die Verbundenheit mit der alten Heimat…

Brauerei
Brauerei

Ein blühender Zweig in der Landwirtschaft ist – allerdings italienisch dominiert – seit einigen Jahren auch der Weinanbau und die Vermarktung von etwa 600.000 Tonnen Trauben rund um die Weinmetropole Bento Goncalves. Die berühmteste Kellerei, die „Vinicola Salton“ ist in einem Prachtbau untergebracht und kann bei Führungen besucht werden. Hier wird auch der Papstwein „Talento“ gekeltert. Eindrucksvoll sind auch die Sektkellerei „Chandon“ und die Kellerei „Aurora“ bei Porto Alegre. Die hervorragenden Weine werden in luxuriösen Verkostungsräumen gerne präsentiert. 

Das zentrale Hochland von Paraná, zwischen den Flüssen Jordão und Pinhão bietet aber auch riesige Araukarien-Wälder. Araukarien sind die einzigen Nadelbäume Brasiliens und eine Art Wahrzeichen. Ihr astloser Stamm trägt eine prächtige Krone gleich einem vielarmigen Kandelaber. Die Bäume stehen unter Naturschutz, wie auch die gesamte Vegetation in den zahlreichen Nationalparks des Landes. Einer der größten kann mit dem „Sierra Verde Express“, einer Schmalspur-Gebirgsbahn, die zwischen der Großstadt Curitiba und dem historischen Städtchen Morretes – bekannt für seine hervorragenden Gastronomie – in vollen Zügen genossen werden.

Churrascaria
Churrascaria

Touristische Highlights

Wer Brasilien besucht, kommt an den absoluten touristischen Höhepunkten nicht vorbei:  „Rio de Janeiro“, das pulsierende Zentrum des Landes, wunderschön zwischen Meer, Hügeln und Regenwald gelegen. Hier hat sich die High Society an der „Copacabana“ niedergelassen. Der Besuch des glatten Felsens „Zuckerhut“ mit der Seilbahn bietet einen prachtvollen Panoramablick auf die Guanabara Bucht, welche den Strand vom und den Stadtteil Botafogo – mit seinen Cafés, Kinos, Theater und zwei der größten Einkaufszentren – vom Atlantischen Ozean abschirmt.

Zuckerhut
Zuckerhut

Ein absolutes Muss ist auch der Besuch des Berges „Corcovado“ mit der weltweit bekannten Christusstatue „Cristo Redentor“. Die monumentale Statue ist 30 Meter hoch, stammt aus dem Jahr 1931 und ist – so wie die Spitze des Zuckerhutes – nicht immer zu sehen, weil sie sich gelegentlich hinter Wolken versteckt. Zur Christusstatue gelangt man durch einen sehenswerten Urwald mit exotischen Pflanzen, dem „Parque Nacional da Tijuca“, mit einer in der Schweiz produzierten Zahnradbahn. Sehenswert sind auch die Favelas an den Berghängen um Rio. Ein privater Besuch auf eigene Faust ist nicht zu empfehlen. Gegen eine kleine Spende geben aber einheimische Führer einen Einblick in die illegalen Siedlungen mit ihrer halb legalen Verwaltung durch Drogenbarone. Polizisten lassen sich hier nur selten blicken.

Christusstatue
Christusstatue

Mit dem Flugzeug gelangt man dann nach „Fort de Iguazú“ nahe dem Dreiländereck von Uruguay, Argentinien und Brasilien: Der Besuch der weltweit größten Wasserfälle von „Iguazú“ sind ein Erlebnis der besonderen Art, die man ein Leben lang nicht vergessen wird. Die Fälle liegen im Nationalpark Iguazú, welcher zum UNESCO-Welterbe gehört. Der Name hat seinen Ursprung in den Wörtern „y“ für Wasser und „guasu“ für groß. Die tosenden Wasserkaskaden kann man auch vom Hubschrauber aus zum Preis von 30 Euro betrachten. Der Blick aus der Vogelperspektive ist absolut empfehlenswert. Die Iguazú-Wasserfälle bestehen aus 20 größeren und 255 kleineren Wasserfällen. Einige davon sind bis zu 82 Meter hoch. Das Gebiet in dem die tosenden Gewässer niedergehen wird „Teufelsschlund“ genannt. Für technisch Interessierte lockt auch noch eine Besichtigung des mächtigen Itaipu-Staudammes, des leistungsstärksten Wasserkraftwerkes der Welt.

Wasserfälle von „Iguazú “
Wasserfälle von „Iguazú “

Pauschalreisen: Flugreisen um die 12 Tage mit Übernachtungen in 3- und 4-Sternhotels bei denen die Eintritte zu den Attraktionen samt Reiseleitung bereits inkludiert sind, können ab 3.000 Euro gebucht werden. Absolut  empfehlenswert: Das Spitzenhotel „Cataratas in Foz do Iguazú“ ab € 205,- pro Person.

Brasilien
Brasilien

Beste Reisezeit: Oktober bis Mai Achtung: geänderte Jahreszeiten; von Dezember bis Februar ist es hier hochsommerlich heiß! Es gibt, ausgenommen von kurzen kalten Phasen zwischen Mai und September im Süden, verursacht durch kalte Antarktiswinde, keine kälteren Phasen.

Flugzeit: 9 bis 13 Stunden (meist über Frankfurt), Inlandsflüge sind wegen der großen Entfernungen empfehlenswert.

Sprache: Portugiesisch, Englisch nur in Hotels und größeren Geschäften, Deutsch verstehet man nur in den Auswanderungsdörfern wirklich gut.

Währung: 10 Real = 2,7 Euro, Bankomaten nur in großen Städten und wenn möglich in Banken benutzen (Kartenbetrug auch am internationalen Flughafen möglich!) 

Impfungen: Tetanus, Polio, Masern und Gelbfieber empfehlenswert. Hepatitis A und B kein Nachteil.

Text und Fotos: Gerhard Krause