Endoskopie mit „Künstlicher Intelligenz“

Neue Technologie wird in Wien und Linz getestet

Der Killer „Dickdarmkrebs“ ist in Österreich immer noch die zweithäufigste Krebserkrankung, obwohl in den letzten 20 Jahren die Zahl der Neuerkrankungen dank der Vorsorgekoloskopie um mehr als ein Drittel reduziert werden konnte. Noch bessere Ergebnisse sollen jetzt mit Hilfe von „Künstlicher Intelligenz“ erzielt werden. In Österreich gibt es zwei Zentren, in denen diese neuartige Endoskopie-Technologie „GI Genius™ – Artificial Intelligence“ erprobt wird; in Oberösterreich im Ordensklinikum Linz bei den Barmherzige Schwestern, in Wien in der Rudolfsstiftung.

Foto: Medtronic Österreich GmbH, Die neuartige Endoskopie-Technologie „GI Genius™ – Artificial Intelligence“

Die Polypenauffindung kann mit einer selbstlernenden Software um etwa 50 Prozent verbessert werden, womit das Erkennen von vorwiegend kleinen und sehr kleinen Polypen möglich wird. „Ob sich das schließlich auch in noch weniger Neuerkrankungen an Dickdarmkrebs auswirkt, wissen wir noch nicht. Zurzeit erproben wir diese Technologie noch“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Rainer Schöfl, Vorstand der Abteilung Gastroenterologie am Ordensklinikum Linz.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Rainer Schöfl
Foto: Ordensklinikum, Prim. Univ.-Prof. Dr. Rainer Schöfl, Vorstand der Abteilung Gastroenterologie am Ordensklinikum Linz

Das Erkennen und Entfernen von Dickdarmpolypen ist eine Erfolgsgeschichte der gastrointestinalen Endoskopie der letzten Jahrzehnte. In den letzten 20 Jahren nahmen die Neuerkrankungen an Dickdarmkrebs in Österreich um 33 Prozent, von 80 auf 53 pro 100.000 Personen im Jahr, ab. Noch besser wären die Ergebnisse, wenn nicht immer wieder Polypen übersehen würden. Ein erster Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen aus Italien, der Schweiz und Österreich fand kürzlich in Linz statt.

Bild-Analyse ergänzt die Koloskopie

Das neue Gerät „GI Genius™“ ergänzt die Koloskopie durch eine Bild-Analyse in Echtzeit, die auf Deep-Learning-Algorithmen basiert. Findet die Software eine Veränderung, so weist sie den Arzt mit einer Markierung auf dem Bildschirm darauf hin. Auf diese Weise verbessert sie die Adenom-Entdeckungsrate (ADR) des Endoskopie-Anwenders, agiert als virtueller Zweituntersucher und assistiert bei der Polypenerkennung.

Das „GI Genius™“-Modul“ besteht aus zwei Teilen: Das Modul selbst ist ein kleiner Kasten, der sich an vorhandene Koloskopie-Geräte anschließen lässt. Die Software für die Polypendetektion verwendet einen auf künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Algorithmus, der anhand von Weißlicht-Endoskopie-Videos validiert wurde.

Da es sich das Modul an vorhandene Endoskopie-Geräte anschließen lässt, kann der Arzt die Koloskopie weiter wie gewohnt durchführen. Auch für den Patienten ändert sich bei der endoskopischen Untersuchung nichts. Findet das Modul eine Veränderung der Darmschleimhaut, wie einen gestielten oder sessilen Polypen, weist es den Endoskopie-Anwender mit einer visuellen Markierung darauf hin. Optional kann zusätzlich ein akustischer Alarm eingestellt werden. Der Arzt kann sich den betreffenden Darmabschnitt dann genauer anschauen, Abschnitte der Schleimhaut markieren, eine Gewebeprobe entnehmen oder den veränderten Bereich komplett entfernen.

Text: Gerhard Krause